Mittwoch, 18. März 2009

Offener Brief an die Kultusministerin

Mehr als 800 Schülerinnen und Schüler der Sophie Scholl Gesamtschule für den Erhalt ihres 13-jährigen Abiturs demonstriert. Ebenso sachlich wie engagiert, so sagte mir Schulleiterin Annette Harnitz am Nachmittag, hätten sich die Mädchen und Jungen für ihre Schule ins Zeug gelegt. In der vergangenen Woche haben Frau Harnitz, unsere Schulausschutzvorsitzende Marianne Kügler und ich einen offenen Brief an die Kultusministerin verfasst. Diesen möchte ich hier wörtlich wiedergeben:

Sehr geehrte Frau Kultusministerin,

das Landeskabinett hat in seiner Vorlage „Bildungsland Niedersachsen – Erfolge und Herausforderungen“ eine Weichenstellung für die künftige Bildungslandschaft vorgenommen. Diese hat landesweit Diskussionen ausgelöst und wird auch in der Gemeinde Wennigsen (Deister) diskutiert. So hat es u.a eine Sitzung des Schulvorstandes der Sophie Scholl Gesamtschule gegeben. Anwesend waren dabei auch Vertreter der Ratsfraktionen und der Bürgermeister sowie die Landtagsabgeordneten Gabriela Kohlenberg und Gesine Meissner.

Angestrebt war ein offener Gedankenaustausch zur Bildungspolitik aus aktuellem Anlaß. Dazu ist zunächst das Wennigser Modell seitens der Schulleitung vorgestellt worden. Dieses sieht vor, nach dem Schulwechsel in Klasse 5 eine überwiegend integrative Beschulung bis einschließlich Klasse 7. Durch diese integrierten Klassen ist ein Wechsel zwischen den Schulzweigen oder auch nur in einem Langfach, das schulzweigbezogen unterrichtet wird, problemlos möglich. In den Klassen 8 bis 10 ist der Unterricht überwiegend nach Schulzweigen ausgerichtet. Durchlässigkeit kann so in positiver Weise erfahren werden. Die Beurteilung dieses Konzeptes hat bei der Schulinspektion überzeugt und findet sich in einem hervorragenden Bericht wieder. Zugleich möchten wir die hohe Motivation der aller an der Schule Tätigen sowie die positive Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule hervorheben. Das Konzept wird von der Elternschaft gut angenommen und ist für viele ein Alleinstellungsmerkmal Wennigsens.

Die eingeleiteten inneren Schulreformen ermöglichen und stützen gerade in Wennigsen die „Stärkung der Eigenverantwortung mit dem Ziel der konsequenten Qualitätsentwicklung jeder Einzelschule und die Umsetzung von Qualitätskriterien für gute Schulen“, so wie es der Wortlaut der Kabinettsvorlage vorsieht.

In der Sitzung des Schulvorstandes wurden seitens der Lehrkräfte, Eltern und Schüler Bedenken geäußert, dass sich dieses Konzept mit einem Abitur nach 12 Jahren auch weiterhin durchführen lässt. Die Fraktionen im Rat der Gemeinde Wennigsen (Deister) möchten diese einschneidende Veränderung gern und ausführlich beraten und sich im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens dazu in einem Votum äußern.

Auch besteht noch ein erhebliches Maß an Verunsicherung und das Bedürfnis nach weiterer Information. Zudem möchten Schule und Schulträger, Sicherheit in Bezug auf die Rahmenbedingungen erhalten, da auch weitere Entwicklungen – wie die Umsetzung des Ganztagsbetriebes oder Ausnutzung des Konjunkturpaketes – besser im gesamten Entwicklungsrahmen der Schule zu sehen sind.

Wir bitten Sie, Ihre Entscheidung an erfolgreichen Modellen wie der Wennigser Gesamtschule zu messen und in eine lange und sorgfältige Phase der politischen Meinungs- und Willensbildung einzutreten.

Gerne stellt Ihnen die Schule dazu ausführliche Informationen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Marianne Kügler | Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses
Christoph Meineke | Bürgermeister
Annette Harnitz | Leiterin der Sophie Scholl Gesamtschule

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ihre Meinung ist mir wichtig - vielen Dank, dass Sie einen Kommentar hinterlassen möchten. Nach dem Eintrag wird dieser zur Freigabe zunächst auf Spam, Unflätiges oder Verstöße gegen die "Netiquette" geprüft. Ich bemühe mich, die Kommentare umgehend freizugeben.