Samstag, 18. Dezember 2010

Die Spuren historischer Industriekultur

Für all jene, die sich für unsere örtliche Geschichte interessieren und für Industriekultur in der Region Hannover gibt's rechtzeitig zum Weihnachtsfest zwei Dinge, die ich auf meinem Blog empfehlen möchte: Erstens ein Buch für unter den Tannenbaum und zweitens einen Spaziergang für gegen den Weihnachtsspeck.

Das Buch: "Kali, Kohle und Kanal" - so heisst das Werk, dass den Aufstieg der Region Hannover zu einem der wichtigsten Industriezentren Deutschlands des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dokumentiert. Es ist in dieser Woche in Hannover im Historischem Museum präsentiert worden. Ich bin schon sehr gespannt darauf, es endlich durchzublättern. Herausgeber ist Prof. Dr. Axel Priebs, Dezernent für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover. Er ist Wennigsen sehr verbunden und hat auch die Festrede zum 40-jährigen Gemeindejubiläum gehalten. Auf mehr als 300 Seiten und mit über 240 aktuellen und historischen Aufnahmen beleuchten Herausgeber und das Autorenteam Christiane Schröder, Sid Auffarth und Manfred Kohler 150 Jahre Industriekultur in Hannover und dem Umland. Das Buch aus dem Hinstorff-Verlag | Link | ist in die Oberkapitel Industrie, Energie und Wasser sowie Verkehr gegliedert. Die Anfänge der Zuckerindustrie in Gehrden, unterirdische Bergbauwelten in Barsinghausen oder Sehnde, Branntweinbrennereien in Wennigsen oder der Wedemark werden ebenso berücksichtigt wie die alten hannoverschen Arbeiterquartiere in Ricklingen und Limmer. Begleitend zum Buch hat die Region Hannover außerdem fünf Routen der Industriekultur ausgearbeitet, auf denen Interessierte bei Spaziergängen, Radfahrten oder Wanderungen in vergangene Arbeits- und Alltagwelten eintauchen können. Und da sind wir auch schon bei Punkt zwei:

Knigge'sche Glashütte Steinkrug
Der Spaziergang: Ein etwa 10 Kilometer langer Weg führt vom Rittergut Bredenbeck zum Hermannshof nach Völksen durch den östlichen Deister. Ohne diesen gut 20 Kilometer langen Höhenzug ist die industrielle Entwicklung der Region Hannover kaum vorstellbar. Er war der größte Rohstofflieferant und lieferte neben Baumaterial  und Werkstoffen wie Holz, Stein oder Kalk auch Steinkohle als wertvollen Brennstoff.  Diesen natürlich begünstigten Vorteil machte sich unter anderem Freiherr Wilhelm Carl Ernst Knigge (1771-1839), der auf dem Gut Bredenbeck lebte, wirtschaftlich zu nutze. Er ließ im familieneigenen Bredenbecker Forst ab 1804 Kohle abbauen, die Holz als Energieträger in Kalk- und Branntweinbrennereien, Schmieden oder Salinen zunehmend als Brennstoffe ersetzte. So sicherte er sich frühzeitig den Einstieg in lukrative neue Gewerbezweige und sorgte dafür, dass seine neu gegründeten Betriebe – wie das Kalkwerk in Bredenbeck oder die Glashütte in Steinkrug - zu den wichtigsten Abnehmern seiner Kohlegruben und zugleich die Haupterwerbsquellen im östlichen Deister wurden. Den Link zum sehr gut ausgearbeiteten Spaziergang gibt es auf der Internetseite der Region Hannover: 
http://www.hannover.de/region/naherholung/industriekultur/knigge/index.html