Freitag, 24. Juni 2011

EU-Geld fürs Familienzentrum "Vogelnest"

Ein sichtlich gut gelaunter Regionspräsident Hauke Jagau war heute Mittag zu Gast im Kindergarten Vogelnest. "Ein Onkel, der was mitbringt, ist besser als die Tante, die Klavier spielt", scherzte er noch vor der Haustür des Kindergartens. Und was er mitbrachte, ließ sich sehen: Den Fördermittelbescheid für 290.000 Euro Fördergeld aus dem Europäischen Topf für Regionale Entwicklung (EFRE). Das Geld wird von der Region Hannover als regionalisiertes Teilbudget vergeben. Die Summe fließt in das Familien-, Gesundheits- und Bildungszentrum "Vogelnest", das Ende diesen Jahres neu gebaut wird. Auch brachte er das Schild mit dem Hinweis auf die Fördermittel mit, das dann an das neue Gebäude angebracht wird (Bild unten). Im Winter soll der Kindergarten abgerissen werden und die Kleinen in eine Übergangslösung in Wennigsen und Gehrden ziehen. Am Donnerstag soll der Rat sowohl den Bebauungsplan als auch die Übergangslösung entscheiden. Das passende Plakat hatten die Kinder bereits gestaltet: "Die Letzten machen das Licht aus".

Montag, 20. Juni 2011

Freischießen - Tag 2: Tauglichkeitsuntersuchung bestanden

Tag zwei des Historischen Freischießens Wennigsen. Um 14 Uhr hatte ich die Ehre, die Gemeindefahne und die historische Schützenkette, nunmehr 153 Jahre alt, dem kommandieren General Rogge zu übergeben. Pünktlich um 15 folgte der Ausmarsch durch Wennigsen. Leider zeigte sich Petrus nicht als Freischütz und ließ es während des Umzuges immer wieder kräftig regnen. Nach dem Ausmarsch, der Parade und dem Anbringen der Schützenscheibe wurde ich - noch reichlich durchnässt vom unfreundlichen Wetter - auf meine weitere Tauglichkeit untersucht.
Stabsarzt Dr. Colshorn prüfte auf Herz und Nieren und lauschte mit seinem Hörknochen tief in mein Inneres. Am Ende reichte es mit Hilfe der Medizin Nummer 17 (ein Bild verrät bekanntlich mehr als 1000 Worte; re.) dargereicht im übergroßen Silberlöffel doch noch zum "Tauglich"-Abzeichen.  

Sonntag, 19. Juni 2011

Freischiessen - Um 14 Uhr gibt's die Kette

Gestern ist überpünktlich drei Minuten vor 18 Uhr der erste Knall der sechs Böllerschüsse gefallen, die das Historische Freischießen Wennigsen eröffnet haben. Heute um 14 Uhr habe ich die Ehre, die Königskette an die amtierende Majestät zu übergeben. Noch ruht das Silber sorgsam verwahrt im dunklen Lederkästchen mit dem markanten Hinweis: "Eigentum der Schützengesellschaft Kloster Wennigsen" und dem Hinweis der Gemeindekasse auf die Sachgruppe 5.
Anbei liegt ein Zettel mit der historischen Beschreibung:

"Nachdem wir am Ende Unterzeichnete beschlossen, der Sammtgemeinde Wennigsen einen silbernen Schild neber silberner Kette, (welchey bey den Freyschießen von den Schützenkönig getragen werden soll) zum Geschenk zu geben, halten wir uns verpflichtet, nähere Bedingungen schriftlich zu überreichen. Bekanntes Schild dient als Zeichen des besten Mann, genannt Schützenkönig und ist denjenigen, welchen den beschten Schuß in der Scheibe hat, den 2ten Tag im Freyschießen, abends bei der Parade unter präsentierten Gewehr meiner einer dazu gestandenen Rede durch den ersten Officier zu übergeben. Der nunmehrige Schützenkönig trägt demselben bis zur Beendigung des Freyschießen. Den Tag nach den Freyschießen ist der Schild indem es Gemeinde-Eigenthum ist, - an den zeitigen Vorsteher der Gemeinde abzuliefern, und in der Bauerlade bis dem zum nächsten Freyschießen aufzubewahren.
Am ersten Tage in Freyschießen, nimt der Schützenkönig den Schild wieder in Empfang und trägt demselben bis ein neuer Schützenkönig nach den besten Schuß ernannt ist.
Sollte während der Zeit von einem Freyschießen bis zum Andern der Schützenkönig versterben, oder sich ein Vergehen zu schulden kommen lassen wofür er Kriminalstrafe erhält, so soll der Schild bis ein neuer Schützenkönig ernannt ist, durch eine der Schaffnerinnen, nebst den Geschenken getragen werden.
Die zeitigen Vorsteher werden hierdurch ersucht, diese Verfügung nebst den Geschenken sorgfältig aufzubewahren. –
Wennigsen, den 20ten Juny 1858
Heinrich Arnecke, Chr. Hesse, F. Giesecke, C. Meinecke, H. Nolte, H. Giesecke" 

Auf dem silbernen runden Schild verewigt ist Inschrift "Schützen-König" und Schützengesellschaft zu Wennigsen 1850.



Gemeinsam mit der Kette übergebe ich dann auch die Gemeindefahne und Wennigsen ist  vollends im Ausnahmezustand (den Rathausschlüssel behalte ich aber vorsichtshalber...) Während die Wennigser ihren Ort fegten und schmückten, die Aktiven an Uniformen, Kanonen und Kutschen letzte Hand anlegten, war  am Nachmittag meine bekleidungstechnische Generalprobe: Der Frack passt noch! Auch der Zylinder aus Großvaters Schatztruhe ("Bestes deutsches Fabrikat. ges. geschützt - Joachim Grage, Klagesmarkt Hannover"), ein Modell ebenso historisch wie das Freischiessen ist wieder dabei. Um 15 setzt sich der Tross zum Festumzug durch den Ort in Marsch! Ich marschiere neben der Gemeindefahne vorneweg. Schaulustige sind herzlich willkommen!

Montag, 6. Juni 2011

Gäste aus Frankreich genießen Tage in Wennigsen

Ein Lächeln zum Abschied! Die Vorstände der Partnerschaftsvereine aus unserer Partnerstadt Forges-Les-Eaux und Wennigsen posieren zum Abschied auf der Treppe der Möllerburg. Von Donnerstag bis Sonntag haben 21 Erwachsene und 17 Jugendliche aus Frankreich unsere Gemeinde besucht. Das Programm stand dieses Jahr unter dem Motto "Energie". Dazu gehörte ein Besuch der Biogas-Anlage in Ronnenberg, der Müllverbrennungsanlage in Lahe oder eine Draisinenfahrt von Rinteln ins Externtal. Nach dem Abschiedsabend in der Degerser Gaststätte haben die Jugendlichen bereits beschlossen, über Facebook und Skype ihre Kontakte weiter zu festigen. Was macht der Bürgermeister auf dem Bild? Gemäß Satztung bin ich "geborenes Mitglied" im Vorstand unseres Patenschaftsvereins. Ich fahre auch alle zwei Jahre gern für drei Tage mit nach Forges, um die Städtepartnerschaft zu festigen.

Finanzierung des Krippenausbaus in Niedersachsen kritisch


Aus aktuellem Anlass möchte ich eine Pressemitteilung des Niedersächsischen Städtetages zum Krippenausbau an dieser Stelle wiedergeben, die ich heute als Email erhielt. Wer in den vergangenen Tagen die Zeitungen aufmerksam gelesen hat, ist sicherlich auf den Bericht des Landesrechnungshofes gestoßen. Dieser bemängelt, dass das Land angeblich die Krippenbetreuung zu hoch fördere. Die Kritik geht an der kommunalen Realität jedoch vollends vorbei.

Der kommunale Spitzenverband stellt in der Mitteilung klar, dass das Land seinen Förderzusagen nicht ansatzweise nachkommt: "Ursprünglich sollten die Kosten für den Ausbau neuer Kinderkrippenplätze von Bund, Länder und Gemeinden jeweils zu einem Drittel getragen werden. Faktisch seien es beim Land jetzt fünf Prozent geworden. Damit habe es seine Zusagen bisher nicht erfüllt und es bestehe die Gefahr, die Versorgungsquote von 35 Prozent bis 2013 in vielen Kommunen zu verfehlen, so Heiger Scholz, Hauptgeschäftsführer des NST. Damit widerspricht der NST dem aktuellen Bericht des Landesrechnungshofes, demzufolge Niedersachsen den Kommunen zu viel Geld für den Bau neuer Kinderkrippenplätze zahle. Zu den Details führt der Städtetag aus: Niedersachsen bekommt vom Bund im Zeitraum 2008-2013 rund 214 Millionen Euro für das Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung“ überwiesen. Das Land Niedersachsen leitet diese Mittel auf Antrag an die örtlichen Träger der Kinder und Jugendhilfe weiter. Kommunen erhalten aus den Bundesmitteln pro geplantem Krippenplatz in einem Neubau 13.000 Euro und 5.000 Euro, wenn vorhandene Räume umgebaut werden. Darüber hinaus können Anschaffungen von Ausstattungsgegenständen je Krippenplatz mit 1.500 Euro bezuschusst werden. Ein Kinderkrippenplatz kostet im Schnitt 22.000 Euro an Investitionen ohne Betriebskosten. Hauptgeschäftsführer Heiger Scholz im Nachsatz: „Niedersachsen gibt den Kommunen ganz sicher nicht zu viel Geld, sondern faktisch reichen die Mittel nicht, das umzusetzen, was beschlossen wurde." In Wennigsen werden zwar bis 2013 genügend Plätze vorhanden sein, jedoch ist es ärgerlich dann auch noch hören zu müssen, dass der Rechnungshof sagt, die Mitfinanzierung des Landes sei mit sage und schreibe 5 % an Gesamtkosten zu hoch!



Freitag, 3. Juni 2011

Brigitte Pothmer zu Gast in Wennigsen

Pothmer beim Eintrag ins Gästebuch
unserer Gemeide
Zu Gast im Rathaus war in dieser Woche Brigitte Pothmer, Abgeordnete zum Deutschen Bundestag. Begleitet von Ratsfrau Angelika Schwarzer-Riemer und Ratskandidat Norbert Bohnenstengel  war sie in Wennigsen unterwegs, besuchte nach dem Rathaus das Niedigenergiehaus des Planungsbüro Schmidt in der Hauptstraße und anschließend die Sophie Scholl Gesamtschule. Unser Gespräch drehte sich vor allem um die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes, Kinderarmut und Bildungschancen. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen trug sich nach einem rund einstündigen Gespräch ins Gästebuch der Gemeinde ein.

Mittwoch, 1. Juni 2011

... oder mag er sie vielleicht doch?

 Politikerlächeln... 
Meineke (re.) bestückt und bewirbt eine orange Tonne, die er laut Tageszeitung gar nicht mag! 
Warum tut er das - oder mag er sie vielleicht doch?
Ach, Herrje! In ein paar Stunden schlagen die Leser der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ihre Tageszeitung auf und lesen vom "Neuen Streit um Sack und O-Tonne in der Region Hannover". Ich lese gern des Nachts noch die online-Ausgabe von Hannovers größtem Qualitätsmedium und so möchte ich als Zitierter die Darstellung kommentieren. Ich nehme Stellung in Gesellschaft, denn mittlerweile habe ich auch schon die Reaktionen zur online-Ausgabe verfolgt und muss mir vorwerfen lassen von einem Nutzer mit Nickname P.D./"narrow minded":
     "Die Äußerungen der (üblichen) Lokalfürsten sind an Engstirnigkeit und Konservatismus nicht zu überbieten. Mit Äußerungen wie 'wir sind eine Sack-Kommune', 'das Volk will den Sack' schließen die Äußerer von sich auf andere. Warum sich auch einer Weiterentwicklung öffnen, wenn alles so gut läuft. Die Herren haben scheinbar immer noch nicht reagiert, dass 'ihre Kommunen' Bestandteil einer zentraleuropäischen Metropolregion sind, die gewissermaßen als "Brenngläser gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen" eine Verantwortung tragen. Um die aha-Gründung endlich wirtschaftlich abzuschließen ist die Vereinheitlichung des Systems unabdingbar. Ich bin erschrocken und traurig, dass 10 Jahre nach ihrer Gründung, die Region Hannover in Wennigsen und Barsinghausen immer noch nicht angekommen ist. Wenn die Herren so weitermachen, sollte in der nächsten Gebietsreform vielleicht über die Gründung des "Landkreis Vordeister" nachgedacht werden. Daraus folgt dann natürlich auch der Ausschluss aus dem GVH, Abhängen von der S-Bahn, keine Berufsschulzugang."
    oder aber durchaus wohlgesonnen von einem Nutzer mit Namen thepeebee bescheinigen lassen: "Da muss ich leider widersprechen, in diesem Fall hören die Politiker sogar einmal auf die Bürger. Denn im Kostenvergleich siegt der Sack deutlich gegenüber der Tonne. Als Umstellungsgeplagter - bis vor circa vier Jahren waren wir an die Sackabfuhr angeschlossen, nun Tonnen - kann ich ein Lied von deutlich höheren Gebühren im Vergleich zum guten, alten Sack singen. Und wir sind nicht die einzigen, denen der krasse Preisunterschied auffällt. Aha kämpft also nicht grundlos für die Tonne im Umland."

    Wer kämpft also für was? Zunächst: Es geht um die Einführung einer neuen Wertstofftonne. In dem Artikel wird dargestellt, wie man in der Bildunterschrift des online-Berichtes, liest: "Viele Kommunen in Hannovers Umland sind gegen die Einführung der O-Tone". Das stimmt nicht. Alle vier anwesenden "Lokalfürsten" haben die Einführung der O-Tonne gelobt. (Zu den Gründen gehört, dass nun auch Elektroschrott von Zuhause aus abgeholt werden kann, Textilien von aha eingesammelt werden und auch Wertstoffe wie Plastik, die größer sind als Verpackungen, von der Haustür aus wiederverwertet werden können. Dem Gebührenhaushalt tut das gut, zudem habe ich in meinem Statement auf die Vorteile lokaler Wertschöpfung hingewiesen, die durch großflächiges, dezentrales Sammeln der Rohstoffe entstehen. Klimafreundliche Effekte durch zügige Wiedernutzung von hochenergetischem Material nicht zu vergessen.)

Allerdings gibt es auch Punkte, die wir Bürgermeister kritisch sehen. Und da sind wir bei der Tonnenfrage. Dazu gehört das Argument, dass die Bürger bald mehrere Tonnen haben könnten, die sie an die Straße ziehen müssten: eine blaue für Papier, eine braune für Biomüll, eine gelbe für Verpackungen, eine schwarze für Restmüll und die neue mit orangem Deckel für alles weitere. Viele kommunale Neubaugebiete sind nicht auf eine solche Abfuhr ausgelegt. Oder eine Tonne für alles, aber mit den bereits vorhandenen Säcken darin. Hurra. Demographische Fragen im weitläufigen ländlichen Raum lasse ich mal außen vor. Der bisherige Weg hat sich als pragmatisch erwiesen: Umland Sack und Stadt mit hochverdichtetem Ballungsräumen Tonne. Ich kenne keine repräsentativen Umfragen dazu, wer was bevorzugt. Aber in Wennigsen habe ich aus zahlreichen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern (sowie einer kleinen online-Umfrage auf meinem Bürgermeisterblog) eine deutliche Tendenz für den Sack erfahren [Link].

Letztendlich handelt es sich nicht um die hohe Innovation einer schwarzen Tonne mit orangem Deckel. Ea handelt sich um die Möglichkeit, Abfälle vor der Haustür einzusammeln, die vorher vielfach nur an Sammelstellen abgegeben werden durften oder privat gelesen wurden ohne Entlastung für den Gebührenzahler. Es ist eine System- und Serviceerweiterung. Also: Meineke an aha - Gute Sache, bitte prüfen, ob das nur in der Tonne oder auch im orangen Sack geht! Dieser erhöht die Akzeptanz und Handhabung im ländlichen Bereich.

Natürlich streiten wir Politiker gern über Grundsätzliches, das ist bei Sack und Tonne auch durchaus angebracht - dazu haben uns die Bürger auch mandatiert. Aber daraus gleich mehrere Sachverhalte zu vereinfachen - und, wie in der Bildunterschrift gegen eindeutige Aussagen zu schließen, Wir sind gegen die O-Tonne, ist kritisch. Diese bequeme Vereinfachung nimmt der Politik Glaubwürdigkeit. Sie nimmt sie aber auch dem Medium. So entstehen die Gedanken, dass Politker nur noch in der Lage sind, schwarz und weiß zu unterscheiden, zu polemisieren und sich vom komplexen Alltag zugunsten von Schlagworterei zunehmend entfernen. Und um das mal klarzustellen, schreibe ich auch gern bis vier Uhr an einem Blog-Eintrag - ausnahmsweise.