Mittwoch, 1. Juni 2011

... oder mag er sie vielleicht doch?

 Politikerlächeln... 
Meineke (re.) bestückt und bewirbt eine orange Tonne, die er laut Tageszeitung gar nicht mag! 
Warum tut er das - oder mag er sie vielleicht doch?
Ach, Herrje! In ein paar Stunden schlagen die Leser der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ihre Tageszeitung auf und lesen vom "Neuen Streit um Sack und O-Tonne in der Region Hannover". Ich lese gern des Nachts noch die online-Ausgabe von Hannovers größtem Qualitätsmedium und so möchte ich als Zitierter die Darstellung kommentieren. Ich nehme Stellung in Gesellschaft, denn mittlerweile habe ich auch schon die Reaktionen zur online-Ausgabe verfolgt und muss mir vorwerfen lassen von einem Nutzer mit Nickname P.D./"narrow minded":
     "Die Äußerungen der (üblichen) Lokalfürsten sind an Engstirnigkeit und Konservatismus nicht zu überbieten. Mit Äußerungen wie 'wir sind eine Sack-Kommune', 'das Volk will den Sack' schließen die Äußerer von sich auf andere. Warum sich auch einer Weiterentwicklung öffnen, wenn alles so gut läuft. Die Herren haben scheinbar immer noch nicht reagiert, dass 'ihre Kommunen' Bestandteil einer zentraleuropäischen Metropolregion sind, die gewissermaßen als "Brenngläser gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen" eine Verantwortung tragen. Um die aha-Gründung endlich wirtschaftlich abzuschließen ist die Vereinheitlichung des Systems unabdingbar. Ich bin erschrocken und traurig, dass 10 Jahre nach ihrer Gründung, die Region Hannover in Wennigsen und Barsinghausen immer noch nicht angekommen ist. Wenn die Herren so weitermachen, sollte in der nächsten Gebietsreform vielleicht über die Gründung des "Landkreis Vordeister" nachgedacht werden. Daraus folgt dann natürlich auch der Ausschluss aus dem GVH, Abhängen von der S-Bahn, keine Berufsschulzugang."
    oder aber durchaus wohlgesonnen von einem Nutzer mit Namen thepeebee bescheinigen lassen: "Da muss ich leider widersprechen, in diesem Fall hören die Politiker sogar einmal auf die Bürger. Denn im Kostenvergleich siegt der Sack deutlich gegenüber der Tonne. Als Umstellungsgeplagter - bis vor circa vier Jahren waren wir an die Sackabfuhr angeschlossen, nun Tonnen - kann ich ein Lied von deutlich höheren Gebühren im Vergleich zum guten, alten Sack singen. Und wir sind nicht die einzigen, denen der krasse Preisunterschied auffällt. Aha kämpft also nicht grundlos für die Tonne im Umland."

    Wer kämpft also für was? Zunächst: Es geht um die Einführung einer neuen Wertstofftonne. In dem Artikel wird dargestellt, wie man in der Bildunterschrift des online-Berichtes, liest: "Viele Kommunen in Hannovers Umland sind gegen die Einführung der O-Tone". Das stimmt nicht. Alle vier anwesenden "Lokalfürsten" haben die Einführung der O-Tonne gelobt. (Zu den Gründen gehört, dass nun auch Elektroschrott von Zuhause aus abgeholt werden kann, Textilien von aha eingesammelt werden und auch Wertstoffe wie Plastik, die größer sind als Verpackungen, von der Haustür aus wiederverwertet werden können. Dem Gebührenhaushalt tut das gut, zudem habe ich in meinem Statement auf die Vorteile lokaler Wertschöpfung hingewiesen, die durch großflächiges, dezentrales Sammeln der Rohstoffe entstehen. Klimafreundliche Effekte durch zügige Wiedernutzung von hochenergetischem Material nicht zu vergessen.)

Allerdings gibt es auch Punkte, die wir Bürgermeister kritisch sehen. Und da sind wir bei der Tonnenfrage. Dazu gehört das Argument, dass die Bürger bald mehrere Tonnen haben könnten, die sie an die Straße ziehen müssten: eine blaue für Papier, eine braune für Biomüll, eine gelbe für Verpackungen, eine schwarze für Restmüll und die neue mit orangem Deckel für alles weitere. Viele kommunale Neubaugebiete sind nicht auf eine solche Abfuhr ausgelegt. Oder eine Tonne für alles, aber mit den bereits vorhandenen Säcken darin. Hurra. Demographische Fragen im weitläufigen ländlichen Raum lasse ich mal außen vor. Der bisherige Weg hat sich als pragmatisch erwiesen: Umland Sack und Stadt mit hochverdichtetem Ballungsräumen Tonne. Ich kenne keine repräsentativen Umfragen dazu, wer was bevorzugt. Aber in Wennigsen habe ich aus zahlreichen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern (sowie einer kleinen online-Umfrage auf meinem Bürgermeisterblog) eine deutliche Tendenz für den Sack erfahren [Link].

Letztendlich handelt es sich nicht um die hohe Innovation einer schwarzen Tonne mit orangem Deckel. Ea handelt sich um die Möglichkeit, Abfälle vor der Haustür einzusammeln, die vorher vielfach nur an Sammelstellen abgegeben werden durften oder privat gelesen wurden ohne Entlastung für den Gebührenzahler. Es ist eine System- und Serviceerweiterung. Also: Meineke an aha - Gute Sache, bitte prüfen, ob das nur in der Tonne oder auch im orangen Sack geht! Dieser erhöht die Akzeptanz und Handhabung im ländlichen Bereich.

Natürlich streiten wir Politiker gern über Grundsätzliches, das ist bei Sack und Tonne auch durchaus angebracht - dazu haben uns die Bürger auch mandatiert. Aber daraus gleich mehrere Sachverhalte zu vereinfachen - und, wie in der Bildunterschrift gegen eindeutige Aussagen zu schließen, Wir sind gegen die O-Tonne, ist kritisch. Diese bequeme Vereinfachung nimmt der Politik Glaubwürdigkeit. Sie nimmt sie aber auch dem Medium. So entstehen die Gedanken, dass Politker nur noch in der Lage sind, schwarz und weiß zu unterscheiden, zu polemisieren und sich vom komplexen Alltag zugunsten von Schlagworterei zunehmend entfernen. Und um das mal klarzustellen, schreibe ich auch gern bis vier Uhr an einem Blog-Eintrag - ausnahmsweise.

1 Kommentar:

  1. 31 Sackjasager ist ja auch echt überzeugend bei ca 15.000 Einwohnern.

    Weg mit dem Sack - für eine saubere Umwelt!

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