Montag, 9. Januar 2012

Demographischer Wandel - "Das Heft selbst in die Hand nehmen"

"Ideenbörse demografischer Wandel - Gute Projekte aus der Region" - Die Wanderausstellung der Region Hannover habe ich heute Abend im Rathaus eröffnet. Gastredner war Professor Carl-Hans Hauptmeyer. Thema seiner Ausführungen: "Das Hänsel-und-Gretel-Prinzip: oder warum die Dörfer das Heft selbst in die Hand nehmen müssen". Vor rund 50 Gästen, darunter Mitglieder des Rates und drei Ortsbürgermeister, hielt er einen ebenso mutigen wie Mut machenden Vortrag. Tenor: "Engagieren Sie sich!" Sich zurück zu ziehen und zu sagen, es reiche ja, wenn man Steuern zahlt, wies er als altbackenes Untertanendenken zurück. Der Experte für Regionalgeschichte der Universität Hannover ist in Wennigsen bestens bekannt: In den achtziger Jahren hat er eine wissenschaftliche Studie zu unserer Ortschaft Holtensen erstellt und auch ein Fachbuch über das Calenberger Land verfasst.
Was meint Hauptmeyer also mit dem Hänsel- und Gretel-Prinzip? Im Märchen hatten sich zwei verstoßene Kinder sich im Wald verlaufen, wurden von der bösen Hexe ("Sehen wir mal von dem völlig überholten Frauenbild im Märchen ab" - Hauptmeyer) gefangen, konnten diese aber mit einem Trick überwältigen. Selbstbewußt kommen die verstoßenen Kinder nach Hause und wissen, dass sie fortan  alles selbst packen und erreichen können. So müssten es auch die Dörfer tun. "Das Heft in die Hand nehmen!" Das Sprachbild kommt übrigens aus dem Mittelalter; Heft bezeichnet also nicht wie im Foto dargestellt ein paar Seiten Papier, sondern es handelt sich um den Griff des Schwertes.Hauptmeyer schlägt dazu vor, bürgerschaftliche Initiativen zu gründen. Selbst ist er übrigens auch in einer solchen aktiv. Er berichtete, dass er in seiner Wahlheimat Lüdersen einem Förderverein angehört, der das Potenzial des Ortes aufspüren und weiterentwickeln soll. Der Vortrag schloss mit einer interessanten Fragestunde. Eine Bürgerin aus Barsinghausen berichtete über ihre dortige Ortschaft. Nur noch fünf aktive Feuerwehrleute seien dort - damit sei nicht einmal der Brandschutz gesichert. Es gäbe nicht einmal mehr einen Trecker, der für örtliche Initiativen wie Osterfeuer unterstützend eingesetzt werden kann. Das war ein drastisches Beispiel zum Ende des Abends...


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